Leder

Leder ist ein Naturprodukt. Jedes Fell wird vor der Verarbeitung auf Fehler geprüft. Die gefundenen Unregelmäßigkeiten werden auf der Rückseite markiert. Leder dehnt sich in der Querrichtung mehr aus als in der Längsrichtung, daher müssen die Schnittteile alle in der Längsrichtung zugeschnitten werden. Wird ein Veloursleder verarbeitet, achtet man darauf, dass die Strichrichtung von oben nach unten läuft.

Es empfiehlt sich, zuerst einen Prototyp in Moulure herzustellen, da es nachher nicht mehr möglich ist, ohne zurückbleibende Löcher das Kleidungsstück zu korrigieren. Das Schnittmuster wird im Doppel hergestellt, so dass das Leder einzeln zugeschnitten werden kann. Es kann mit Scotch Klebstreifen oder Gewichten auf der Rückseite des Leders fixiert werden.

Damit die Nähmaschine gut transportiert, muss Leder mit dem Teflonfuß genäht werden. Genäht wird mit einem Polyesterfaden und einem nicht zu kleinem Stich, damit die Nähte nicht ausreißen. Für die Verarbeitung von feinem Leder kann eine normale Nähmaschinennadel verwendet werden. Ist das Leder fester, muss sie dementsprechend angepasst werden, damit sich keine Fehlstiche bilden.

Leder kann gebügelt werden. Zum Schutz wird zwischen Leder und Bügeleisen ein Tuch oder ein Stück Organza verwendet.

Naht – Kanten – und Saumverarbeitung:

Nähte können in verschiedenen Techniken verarbeitet werden. Bei der konventionellen Verarbeitung wird das Leder mit einer Nahtzugabe zugeschnitten und rechts auf rechts geschlossen. Es besteht die Möglichkeit die Nahtzugaben mit wenig Lederleim zu kleben oder die Nähte abzusteppen.

Eine andere Variante ist die Kantenverarbeitung. Bereits beim Zuschnitt muss gut überlegt werden, welche Kante auf welche Nahtzugabe gelegt wird. Die Kanten werden in der Regel von oben nach unten verarbeitet.

 

Zuschneiden:

Leder immer mit dem Rollmesser zuschneiden, so erhält man einen sauberen Schnitt.

Bei geleimter Nahtverarbeitung die Nähte mit 1cm zuschneiden. Werden sie abgesteppt, je nach Absteppbreite Nahtzugabe beachten.

Bei der Kantenverarbeitung gut überlegen, welche Kanten auf welche Nahtzugaben gelegt werden. Damit sich keine Fehler einschleichen können, empfiehlt es sich die Nahtzugaben auf dem Schnittmuster zu notieren. Je nach Absteppbreite Nahtzugabe beachten.

 

Bezeichnen:

Bei der Kantenverarbeitung wird die Anstoßlinie auf der rechten Lederseite mit einem hellen Farbstift markiert.

 

Verarbeitung

1

Zur Nahtverarbeitung die beiden Lederteile rechts auf rechts unter die Maschine legen und mit dem Kantenführer bei 1cm nähen.

 

2

Die Nähte werden mit dem Lederroller auseinandergerollt oder mit dem Bügeleisen gebügelt.

 

3

Bei der Kantenverarbeitung wird das Teil ohne Nahtzugabe auf das andere markierte Teil gelegt und kantig abgesteppt.

 

4

Wird die Länge des Kleidungsstücks noch einmal probiert, kann der Ledersaum mit Büroklammern fixiert werden.

 

5

Bei sehr feinem Leder, welches die Tendenz hat, sich zu verziehen, wird ein Vliesband in die Kante der Saumzugabe gebügelt. Anschließend die Säume bügeln. Den Saum noch einmal aufklappen, leimen oder mit einem Doppelklebeband fixieren. Wird der Saum abgesteppt, braucht er nicht geleimt zu werden. Mit dem Leim sparsam umgehen, sonst wellt sich das Leder auf der rechten Seite.

 

6

Den Saum mit dem Lederroller fixieren.

 

Gestürztes Knopfloch in Leder

Mit Hilfe der Schablone aus Schleifpapier kann das Lederknopfloch sehr schnell und rationell verarbeitet werden. Dieselbe Technik mit der Schablone kann auch bei einem Stoffknopfloch angewendet werden.

 

Vorbereiten:

Schablone aus Schleifpapier je nach Knopflochgröße ca. 4 x 7 cm zuschneiden. Die Länge des Knopflochs auf die Rückseite des Schleifpapiers einzeichnen. Die Passepoilebreite von 5mm einzeichnen. Rechteck mit dem Japanmesser ausschneiden. Parallel zwei weitere Hilfslinien von 5mm Breite exakt einzeichnen.

 

Zuschneiden:

Zwei Passepoile zuschneiden. Länge: Knopflochlänge plus je 1cm, Breite: ca. 3cm. Die Passepoile in die Hälfte bügeln und mit dem Rollmesser auf eine Breite von 1cm zurückschneiden. Die Schnittkanten der Passepoile mit einem Klebestreifen zusammenkleben.

 

Fixieren:

Die Knopflochplatzierung mit einer Lederklebeeinlage fixieren.

 

Bezeichnen:

Mit zwei Stecknadeln die Endpunkte des Knopflochs markieren. Die Schablone auf der rechten Lederseite anhand der Stecknadeln mit einem Klebestreifen fixieren. Achtung: Den Klebestreifen nur in der Knopflochöffnung platzieren, außen kann beim Entfernen des Klebestreifens das Leder verletzt werden.

 

Verarbeitung

1

 

2

Die beiden Passepoile auf die Schablone legen und bei 5mm nähen. Den Anfangs- und Endpunkt des Knopfloches erkennt man auf der Schablone.

 

3

Das Knopfloch in der Mitte aufschneiden, 5mm vor Ende in die Ecken einschneiden und umkehren.

 

4

Die Passepoile werden mit dem Lederroller auseinandergerollt oder mit dem Bügeleisen gebügelt.

 

5

Die kleinen Dreiecke werden auf der linken Seite auf die Passepoile gesteppt.

 

6

Die Passepoile auf der Rückseite rund gestuft zurückschneiden. Die vordere Kante mit einem Leder-Kantenband sichern.

 

7

Knopfloch noch einmal bügeln. Für das Gegenknopfloch gibt es zwei Möglichkeiten. 1. Variante: Auf dem Besatz ein passendes Gegenknopfloch ausschneiden, die Kanten des Gegenknopflochs mit Lederleim bestreichen und das Gegenknopfloch an die Rückseite des Passepoilknopflochs kleben.

 

8

2. Variante: Das Knopfloch vorne kantig inklusive Besatz absteppen.

 

9

Auf der Rückseite wird innerhalb der Absteppung die Öffnung ausgeschnitten. Den Knopf immer mit einem kleinen Gegenknopf annähen, sonst reißt das Leder aus.

 

Passepoiltasche in Leder

Die Passepoiltasche kann natürlich wie beim Passepoilknopfloch konventionell verarbeitet werden. Eine andere spannende Technik zeigt sich bei folgender Verarbeitung: Die Passepoile werden nicht angestürzt, sondern von hinten in die bereits vorbereitete Öffnung geschoben.

Mit derselben Variante kann auch eine Leistentasche hergestellt werden. Möchte man beim Tascheneingriff der Leistentasche keine sichtbare Naht, so werden nur drei von vier Seiten mit der Schablone umgebügelt. Unter die vierte Seite legt man den Taschenboden und näht ihn kantig an.

 

Schnittmuster:

Die Passepoiltasche wird auf die gewünschte Öffnung z. B. 13cm eingezeichnet, Passepoilbreite je 1 cm. Oberes Passpoile 1 cm x 2 = 2 cmmal 13 cm Öffnung. Unteres Passepoil 1 cm x 2 = 2cm + Taschensackhöhe x 13 cm Öffnung. Passepoiltaschensack: Öffnung 13cm x Taschensackhöhe.

 

Zuschneiden:

Oberes und unteres Passepoile sowie den Taschensack mit je 1cm Nahtzugaben zuschneiden. Kartonschablone mit der Passepoilöffnung vorbereiten.

 

Bezeichnen:

Mit Kugelschreiber oder einem Farbstift die Platzierung der Passepoiltasche einzeichnen

 

Fixieren:

1

Außerhalb der Bezeichnung je nach Lederqualität ein Kantenband oder ein Vliesband kleben. Ebenso das obere und untere Passepoile mit einem Kantenband sichern.

 

Verarbeitung:

 

2

In der Mitte der Bezeichnung der Passepoiletasche aufschneiden, 1cm vor dem Ende in die Ecken einschneiden. Schablone mit Hilfe von Klebestreifen fixieren und die Nahtzugaben der Passepoiltasche umbügeln. Den Passepoilstreifen in die Hälfte bügeln und mit angeschnittenem Taschensack 2cm umbügeln.

 

3

Mit wenig Lederleim die Nahtzugaben der Passepoiltaschen kleben. Ecken schön nach hinten streichen.

 

4

Auf die Nahtzugaben ein Doppelklebeband anbringen. Die beiden Passepoilstreifen mit Klebestreifen auf der Rückseite zusammenkleben.

 

5

Die zusammengeklebten Passepoilstreifen exakt auf die Mitte der Taschenöffnung platzieren.

 

6

Von der rechten Seite die untere Kante bei 1mm absteppen, Faden stehen lassen.

 

7

Die Fäden nach hinten ziehen und verknüpfen. Den Taschenboden auf die Passepoils platzieren.

 

8

Auf der Rückseite den Taschenboden mit der Nahtzugabe des Passepoils zusammennähen.

 

9

Vorne die restliche Passepoiltasche kantig bei 1 mm absteppen, Faden stehen lassen und auf der Rückseite verknüpfen.

 

10

Den Taschensack exakt bis zum abgesteppten Endpunkt bei 1 cm nähen.

 

Ledertop

Ein raffiniertes Ledertop mit dehnbarem Rücken, welches in kurzer Zeit hergestellt werden kann. Getragen wird das Top über ein Kleid, ein Shirt oder auch über eine Bluse. Das Vorderteil aus Leder wurde nur geschnitten, das Rückenteil aus doppeltem Bortenstoff verarbeitet. Die Armlöcher, den Hals und den Saum direkt mit der Vier-Faden-Overlock verstürzen und das Ledervorderteil in die Achsel und Seitennaht einklemmen.

 

Schnittmuster:

Für das Ledertop verwendet man einen eng anliegenden T-Shirt-Schnitt ohne Ärmel. Die Länge vorne von der Achsel zum Saum beträgt 40 cm. Der Saum vorne wurde am Schluss ca. 3cm gerundet. Als erstes wird die Platzierung der Einschnitte festgelegt. Am besten macht man das direkt an der Büste. Wieder auf dem Tisch die Mittellinie exakt ausziehen, rechts und links davon je eine zweite Hilfslinie bei 2cm einzeichnen. Anschließend wird alle paar Zentimeter die Richtung der Einschnitte eingezeichnet.

 

Zuschneiden:

1

Das Lederoberteil längs auf ein Lederfell legen und mit Klebeband fixieren. Halsausschnitt, Armloch und Saum ohne Nahtzugabe zuschneiden. Achsel und Seitennaht je 1 cm zugeben. (Bild 1) Vier 7 mm breite Lederstreifen zuschneiden. Das Rückenteil doppelt in Bortenstoff zuschneiden und ringsum 1cm Nahtzugabe geben.

 

Vorbereiten:

2

Alle 7 mm das Vorderteil mit Hilfe des Geodreiecks und des Rollmessers direkt auf dem Schnittmusterpapier einschneiden. Um die Rundungen beträgt der Abstand innen teilweise 5 mm und außen 1 cm. (Bild 2)

 

Bezeichnen:

3

Das Schnittmuster wegklappen und mit Kugelschreiber oder Farbstift die Mittellinie der Einschnitte einzeichnen. (Bild 3)

 

Verarbeitung:

4

Den Lederstreifen ca. 7 mm vor dem ersten Einschnitt platzieren. Direkt unter der Nähmaschine die Einschnitte umkehren. Mit Hilfe des Lederstreifens werden die Einschnitte in der Mitte kantig fixiert. (Bild 4)

 

5

Die Einschnitte kommen nach dem Umdrehen wieder bord à bord zu stehen. Der Lederstreifen wird kantig auf beiden Seiten aufgesteppt. Die Enden der Lederstreifen können 7mm nach dem letzten Einschnitt abgeschnitten werden, oder sie werden einfach stehen gelassen. (Bild 5)

 

6

Den Rücken an Hals, Armloch und Saum mit der Vier-Faden-Overlock verstürzen. Die Lederachsel und Seitennähte in den Rücken einklemmen und mit der Nähmaschine nähen. Auf der linken Seite der Seitennaht eine Öffnung stehen lassen, damit das Oberteil umgedreht werden kann.

 

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